Ein Ort mit bewegter Geschichte:
Die ehemalige Landsynagoge Heubach
Ein baugeschichtlicher Überblick
Der erste Hinweis auf einen geplanten Synagogenbau datiert vom Oktober 1836. Trotz der Beschaffung von Bauholz im Herbst 1838 verzögerte sich der Bau des Fachwerkgebäudes wegen Differenzen innerhalb der Gemeinde. Der Neubau wurde 1841 ernsthaft in Angriff genommen. Dennoch dauerte es fast zwei weitere Jahre, bis am 21. Mai 1843 endlich die Akkorde mit den ausführenden Handwerkern geschlossen werdenkonnten. Ein wesentlicher Grund für die Verzögerung lag offenbar darin, dass es grundlegende Meinungsverschiedenheiten zu Lage und Anlage der Mikwe gab. Nach fast genau halbjähriger Bauzeit war die Synagoge am 20. November 1843 aufgerichtet. Wann der Neubau in Benutzung genommen werden konnte, ist nicht überliefert. Die Mikwe war im März 1844 noch nicht fertig, wurde aber schon im Juli 1844 mit Wasser versorgt. Das Gebäude wurde als Synagoge mit Lehrerwohnung, Mikwe und Schulraum genutzt, bis es im Jahr 1937 an die Gemeinde Heubach veräußert wurde.
Die Gemeinde Heubach baute das Gebäude zum Rathaus und für Wohnzwecke um. Nach der Gebietsreform und Eingemeindung Heubachs zur Gemeinde Kalbach 1972 wurde das Rathaus überflüssig. Angeblich versehentlich kaufte das Land Hessen das Gebäude im Zuge des Ausbaus der Ortsdurchfahrt. In der Mitte der 80er Jahre sollte das Gebäude nach Gießen transloziert werden, was in den Jahren 1987 und nochmals 1988 vom Landesamt für Denkmalpflege und vom zuständigen Ministerium für Wissenschaft und Kunst untersagt wurde. Seit 1986 stand das Gebäude leer. Fehlender Bauunterhalt verursachte erhebliche Schädigungen, so dass im Jahr 1989/90 eine Notsicherung des Gebäudes durchgeführt werden musste. 1997 wurde es an eine Privatperson verkauft, eine dem Gebäude angepasste Nutzung unterblieb jedoch.
Erst im Jahr 2004 entschloss sich die Gemeinde Kalbach auf Initiative der Oberkalbacher Pfarrerin Johanna Rau und des Fördervereins „Landsynagoge Heubach e.V.“ das inzwischen durch den unsensiblen Umgang während der profanen Nutzung starkgeschädigte Gebäude wieder zu erwerben und für seine künftigen Nutzer, den Förderverein, die evangelischen Kirche und den Heimatverein instand zu setzen und zu einer kulturellen Begegnungsstätte umzunutzen. Die Einweihung des instand gesetzten Gebäudes erfolgte am 21.05.2006.
Text: Florian Scharfe 08/2007













