Stand nach der Restaurierung:
Die Besonderheiten des Gebäudes:

So präsentierte sich das Gebäude bei Abschluss der Restaurierung. © 2006 Nikolaus Heiss
- Exponierte Lage im Ort / Traufständig an einer Straßenabbiegung
- Erscheinungsbild wie ein „normales” Fachwerkhaus
- Besonderheit der Fassade – bewusst symmetrisch (sogar kleines „Blindfenster“ im Kellergeschoss)
- Das Gebäude besitzt zwei Eingangstüren, was für ein Doppelhaus sprechen könnte, aber an dieser Fassade einen Hinweis auf die Synagogennutzung gibt.
Der Eingangsbereich: Zwei Türen mit Bedeutung

Der „Doppelhauseingang“: Links ging es zur Schule, Lehrerwohnung,
Frauenempore und Mikwe, rechts für die Männer in die Synagoge. © 2006 Nikolaus Heiss
Der linke Eingang war vorgesehen für die Lehrerfamilie, deren Wohnung sich in dem Haus befand, für die Schüler zum Besuch des Schulraums und für die Frauen zum Besuch des Gottesdienstes (über die Frauenempore) und der Mikwe.
Die rechte Türe war der Zugang für die Männer zum Synagogenraum.
Das Lehrerzimmer im Ergeschoss (linke Haushälfte)

Das „Lehrerzimmer“, das nach 1937 „Bürgermeisterzimmer“ wurde. © 2006 Nikolaus Heiss
Zur Synagogenzeit war dieser Raum die Lehrerstube. Die jüdische Gemeinde in Heubach leistet sich einen Lehrer, was darauf hinweist, dass es sich auf eine stattliche Gemeinde handelte.
1937 wurde der Raum zum Bürgermeisterzimmer umgebaut.
Die heutigen baulichen Besonderheiten des Raumes und die Eingriffe, welche durch die erfolgte Instandsetzung getätigt wurden, ziehen sich durch das gesamte Gebäude: hinzugefügte Bauteile sind besonders behandelt und bewusst „modern“, in anderem Material und Farbe ausgebildet.
Die Mikwe in Heubach (linke Haushälfte)
Der Mikwenbereich wurde bei der Sanierung so belassen, wie er am 10. März 2004 nach Ausräumen des Bauschutts aufgefunden wurde. Lediglich defekte Bereiche des Wandputzes wurden gesichert und ergänzt und die Mikwe archäologisch gesichert und vorsichtig gereinigt. Wo der Eingang zur Mikwe war konnte nicht herausgefunden werden. Es wird angenommen, dass sich der Eingang von der ehemaligen Küche aus befunden hat.

In einer Zisterne im Haus (blauer Quader) wurde Regenwasser für den Betrieb
der Mikwe gesammelt. © 2006 Nikolaus Heiss

Die Reste der Mikwe wurden erst bei der Restaurierung 2004 wieder entdeckt
und sind in diesem Zustand zu besichtigen. © 2006 Nikolaus Heiss
Funktionsbeschreibung der Mikwe: Das erforderliche Mindestmaß an Regenwasser, wahrscheinlich über einen Einlauf der Dachentwässerung (1) wurde in der Zisterne (2) gesammelt (etwa 1 Kubikmeter). Die vollständige Zisterne umfasste aber etwa die doppelte Menge dieses Mindestmaßes an Wasser, d. h. sie konnte entweder mehr Regenwasser aufnehmen, oder es konnte ihr vom Brunnen geschöpftes Wasser zugefügt werden. Damit war das gesamte Wasser in der Zisterne koscher und für eine Mikwe geeignet. In der Höhe des vorgeschriebenen Mindestmaßes an Wasser befand sich vermutlich ein mit einem Stopfen zu verschließender Überlauf (3), der gewährleistete, dass man zusätzliches Wasser lediglich bis zu diesem erforderlichen Mindestmaß ablassen konnte.

Bei der Wiederentdeckung der mit Abbruchschutt verfüllten Mikwe wurde auch der geschliffene Marmor-Stopfen gefunden. © 2012 Alexander Mengel
Dieses zusätzliche Wasser wurde über den Überlauf in das eigentliche Tauchbecken (6) geleitet. Diesem Wasser konnte und durfte dann auch erwärmtes Wasser zur etwas größeren Bequemlichkeit beigefügt werden, sofern es nicht direkt in das Tauchbecken gegossen wurde, sondern ebenfalls über den Zulauf (5) eine bestimmte Strecke über den Boden rinnt. In Heubach wurde wahrscheinlich warmes Wasser im kleinen Mischbecken (4) zugeleitet und durch den Verbindungsschacht (5) in das Tauchbecken eingeleitet. So bestand das Wasser im Tauchbecken (6) zum einen aus dem Wasser der Zisterne (2), welches durch die ständig vorhandene Mindestmenge an natürlich gesammeltem Regenwasser koscher gemacht wurde, sowie unter Umständen aus erwärmten, zugefügten Wasser, dass durch das Einleiten über eine bestimmte Strecke über den Boden ebenfalls die Tauglichkeit der Mikwe nicht beeinträchtigte.
Bei dem Tauchbecken musste besonders beachtet werden, dass es „keinen Tropfen Wasser verlieren darf“. Dieser Vorschrift hat man durch die vollständig wasserdichte Zementverkleidung entsprochen sowie dadurch, dass man für den ja dennoch für den Betrieb notwendigen Wasserabfluss einen besonders aufwendigen Stopfen aus Marmor, dem man die absolute Wasserdichtheit zutraute, wählte.
Architekturbüro Krieg und Warth
Flursituation, Ergeschoss (linke Haushälfte)

Hinter der linken Eingangstür führt das Treppenhaus hinauf zur Frauenempore. © 2006 Nikolaus Heiss
Die Abtrennung des Kellerzugangs ist orginal noch aus der Synagogenzeit. Lediglich die Wohnstube des Lehrers ist unterkellert. Von der Kellertreppe aus geht ein kurzer Stichflur, der sogenannte Kellerhals zu diesem Kellerraum. Diese Unterkellerung der Wohnstube ist für Fachwerkhäuser dieses Alters üblich und brachte neben der Kellernutzung dem Wohnraum eine gewisse Fußwärme. Die Treppe zum Obergeschoss ist Bauzeitlich und zeigt sich in der originalen Farbe und Form.
Flur, Obergeschoss (linke Haushälfte)
An der Süd-Westecke ist ein „Restauratorisches Fenster“ angebracht, welches nicht die bauzeitliche Fassung zeigt, sondern eine spätere Ausmalung, welche noch der Synagogenzeit zuzuordnen ist.

Durchgangstür vom oberen Flur zur Frauenempore. © 2006 Nikolaus Heiss
Die Lamperie an der Nordseite ist eine bauzeitliche Lamperie, aber nicht an ursprünglichem Ort. Sie wurde zur Rathausumnutzung an diese Wand versetzt und trägt auch hier die Farbe, welche Sie bei der Umsetzung bekommen hatte. Verdeutlicht wird der nicht originale Platz der Lamperie dadurch, dass sie vor der Bestückungsöffnung des Vorgeleges durchläuft.
Ein Vorgelege ist ein gemauerter Ofen in dem zu beheizenden Raum (in diesem Fall der ehemalige Schulraum), welcher vom Flur aus, um keinen Rauch und Rußentwicklung im beheizten Raum zu haben, bestückt wurde. Der Dachraum des Gebäudes ist ungenutzt. Hier wurde die Lüftungsanlage für den Synagogenraum eingebaut.

Aufgang zum Dachboden. © 2006 Nikolaus Heiss
Schulzimmer, Obergeschoss (linke Haushälfte)

Der einstige Schulraum. © 2006 Nikolaus Heiss
Der Raum wurde zur Synagogenzeit als Schulraum genutzt und wurde nach einem Protokoll eines des Synagogenältesten Goldschmidt am 8.9.1841 auf dem Kreisamt Schlüchtern bezüglich des geplanten Synagogenneubaus für derzeit 16 Schüler erbaut. In einer Beschreibung zur Planung des Gebäudes mit einem Kostenanschlag vom 13.7.1841, aufgestellt in Steinau, wahrscheinlich vom Landbaumeister Spangenberg, wurde angegeben, die Schulstube sei für 40–50 Kinder ausgelegt. Direkt daneben befanden sich zwei Kammern, die dem Lehrer und seiner Familie als Wohnraum dienten.
Ausstellung: Rekonstruierte Schulbänke mit Rednerpult zeigen den ehemaligen Schulraum. Die Besucher können auf den Schulbänken Platz nehmen und den weiteren Erläuterungen zuhören. Ein Tisch mit Schublade und Glasplatte dient als Vitrine für historische Schulfibeln. Bei Bedarf können aus dem Tisch Bücher entnommen werden.
Frauenempore, Obergeschoss (rechte Haushälfte)
Man sieht von der Frauenempore sehr schön, dass an der Ostwand der Toraschrein stand. Während den Sanierungsarbeiten konnte man den Umriß freilegen und die Abdruckfläche grau kennzeichnen. Der Umriß entstand, als bei einem Neuanstrich des Toraschreins die Wand an einigen Stellen mit bemalt wurde. Über dem Toraschrein war bei der Erstfassung zur Bauzeit eine freie, weiße Fläche, die nach oben von einem waagerechten, aufgemalten Gesims abgeschlossen wird. Auf diesem Gesims waren zwei Löwen aufgemalt, die einen Ring mit Blumenschmuck halten.

Blick in die Frauenempore. Heute gibt es dort Vitrinen mit Ausstellungsstücken. © 2006 Nikolaus Heiss

Blick von der Frauenempore in den Betsaal. © 2006 Nikolaus Heiss
Veranstaltungsraum / ehem. Betsaal, Erdgeschoss (rechte Haushälfte)

An der nach Osten gerichteten Stirnseite des Betsaals befand sich der
Toraschrein. © 2006 Nikolaus Heiss
Der Raum ist anhand der gefundenen Teilstellen in der Erstfassung ausgemalt. Hierzu gehört auch der Sternenhimmel. Es wurde etwa ein Quadratmeter freigelegt. Alle anderen Sterne sind aufgemalt. Diese Aufmalung ist aber genau auf der Stelle des darunter befindlichen Sterns getätigt worden. Hierzu musste man die Sterne nachts mit UV-Licht lokalisieren und mit Nadeln kennzeichnen.

Die Decke des Synagogenraums ist mit Sternen dekoriert. © 2006 Nikolaus Heiss
Eine Führung durch die Zeit
In diesem kleinen Video bekommen Sie einen ersten Eindruck von Heubachs ehemaliger Synagoge. Bitte beachten: Die Nutzungsbedingungen von „youtube“ werden durch das Abspielen automatisch akzeptiert.
Visualisierung der zweiten und dritten Farbfassung
Bei der Restaurierung wurde die ehemalige Synagoge in den 1843 gewählten Farben wieder hergestellt. Die Untersuchungen zeigten jedoch, dass der Betsaal um die Jahre 1870 und 1900 in jeweils stark veränderten, durchaus mutigen Farben neu gestaltet wurde. Im restaurieren Gebäude werden Bespiele dieser Farbfassung in zwei Sichtachsen an einer Wandfläche dargestellt. Wer weitere Einzelheiten dazu sucht und Simulationen von der Farbwirkung des gesamten Raums sucht, kann hier die Dokumentation herunterladen, in der Architekt Florian Scharfe (Lübeck) seine Untersuchungsergebnisse zusammengefasst hat.
Willkommen

Veranstaltungsort
Förderverein Landsynagoge Heubach e.V.
Friedensstraße 9 / 36148 Kalbach-Heubach
Kontakt: info@synagoge-heubach.de
Informative Linkliste
Synagogen in Hessen – Alemannia Judaica
Kommission für die Geschichte der Juden in Hessen
Juedisches Leben in Deutschland
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